Gaiole in Chianti

Gut 2.700 Einwohner leben zurzeit in der ländlich geprägten Gemeinde Gaiole in Chianti im Nordosten der Provinz Siena. Der kleine Ort inmitten von grünen Weinbergen im Anbaugebiet des Chianti Classico ist etwa 40 Kilometer von Florenz und 15 Kilometer von Siena entfernt. Die Gewässer im knapp 130 km² großen Gemeindegebiet sind die Flüsse Ambra, Arbia und Torrente Massellone. Gaiole in Chianti besteht aus den teils sehr kleinen und weit verteilten Ortsteilen Adine, Badia a Coltibuono, Barbischio, Casanova d’Ama, Castagnoli, Galenda, Lecchi, Lucignano, Madonna, Montegrossi, Monti, Nusenna, Poggio San Polo, Rietine, San Giusto alle Monache, San Martino al Vento, San Regolo, San Sano, San Vincenti und Vertine. Der Ortsname wurde erstmals im 11. Jahrhundert erwähnt, im 12. und 13. Jahrhundert entwickelte sich die Gemeinde zum überregional bedeutenden Marktplatz. Aus etwa der selben Zeit stammen auch die vielen Burgen in der Gegend wie das Castello di Ama, Castello di Brolio, Castello di Cacchiano, Castello di Castagnoli, Castello di Lecchi, Castello di Lucignano, Castello di Meleto, Castello di Montegrossoli, Castello di Tornano und Castello di Vertine.

Gaiole in Chianti war vom 13. bis 16. Jahrhundert zusammen mit den Nachbarorten Castellina und Radda ein Teil des Regionalverbunds „Lega del Chianti“ zur Wahrung der territorialen Ansprüche der Republik Florenz. Der Ort diente lange Zeit als Militärlager und wichtiger Marktplatz für die gesamte Umgebung. Nach einem Besuch des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Leopold II. entstand im Jahr 1774 die heutige Gemeinde. Nach der Erlangung der Einheit Italiens 1860 wurde Gaiole ein Teil der Provinz Siena. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Ort wirtschaftlich weiter gut, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es jedoch wie in vielen italienischen Gemeinden zu der Zeit zu einer ausgeprägten Landflucht der Bevölkerung. Erst mit dem Beginn des Agro- und Gastrotourismus in den späten 1970er Jahren verzeichnete der Ort wieder vermehrt Zuzüge. Seither wurden zahlreiche historische Gebäude im Zentrum wie auch in den Ortsteilen aufwendig restauriert und teilweise als Unterkünfte für Gäste und Urlauber hergerichtet. Seit Anfang der 1990er Jahre wächst die Einwohnerschaft der Gemeinde wieder auf geringem Niveau.

Jedes Jahr im Herbst ist Gaiole in Chianti der Startpunkt der seit 1997 regelmäßig ausgetragenen Radrundfahrt für historische Rennräder „L’Eroica“ mit bis zu 3.000 Teilnehmern auf vier verschiedenen Streckenlängen mit Teilemarkt und anschließenden diversen Festivitäten. Von 2007 bis 2013 startete hier auch das nach den für die Toskana charakteristischen Schotterstraßen benannte Radrennen „Strade Bianche“ (weiße Straße). Zu den schönsten Sehenswürdigkeiten in der Nähe gehört das aus Natursteinen erbaute Castello di Tornano aus dem frühen Mittelalter, in dem seit den 1970er Jahren eine Hotelanlage untergebracht ist.

Erstklassige Riserva- und Chianti Classici Weine können auf dem renommierten Weingut im ehemaligen Kloster Badia a Coltibuono verkostet und gekauft werden, die ältesten Weinberge stammen aus dem 11. Jahrhundert. Auch im Ortsteil Lecchi in Chianti kann eine historische Burg besichtigt werden, das Castello di Monteluco a Lecchi wurde erstmals 1176 erwähnt. Lediglich 35 Einwohner hat der Ortsteil Nusenna, die wenigen Häuser gruppieren sich um die Pfarrkirche Chiesa dei Santi Giusto e Clemente im Ortskern.