Kirchen und Klöster im Chianti: Badia a Coltibuono

Kirchen und Klöster im Chianti

Seit Anbeginn verehrten die Menschen ihre Götter. So fanden sie sich in jeder Epoche an religiösen Kultstätten zusammen. Waren es im Alten Ägypten oder in der Antike zentrale Plätze, setzte im frühen Mittelalter ein regelrechter Boom ein. Mit der Christianisierung entstanden vielerorts in Europa zahlreiche Klöster und Kirchen, was den hohen Stellenwert verdeutlicht, den die Religion zu dieser Zeit hatte. Doch die Bauwerke waren nicht nur Orte des Gebets. Mit ihren dicken Mauern dienten sie auch als Schutz vor feindlichen Angriffen. Bis heute haben sich viele der romanischen Kirchenbauten und Klöster erhalten. So gibt es auch im toskanischen Gebiet des Chianti eine Vielzahl religiöser Bauten. Fünf von ihnen stellen wir Ihnen vor:

1. Badia a Coltibuono

Santuario di Santa Maria dell’Impruneta
© „Santuario di Santa Maria dell’Impruneta“ von Sailko, lizenziert unter [CC BY 2.5] über Wikimedia Commons
In Gaiole in Chianti finden sich unzählige Burgen, Festungen und sakrale Bauten. Das ehemalige Kloster Badia a Coltibuono, mit dessen Bau im Jahre 1051 begonnen wurde, gehört auch dazu. Benediktinermönche errichteten sie und gaben ihr den Namen, der in deutscher Übersetzung so viel bedeutet wie „Abtei der guten Ernte“. Das Kloster gehört zu den ältesten seiner Art in der Toskana. Bereits von den Mönchen wurden rund um die Abtei Olivenhaine und Weinberge angelegt. Seine Blütezeit erlebte die Religionsgemeinschaft etwa im 15. Jahrhundert, als es unter dem Schutz von Lorenzo de‘ Medici stand. Als Napoleons Truppen um 1810 in die Toskana einmarschierten, wurden die meisten Klöster aufgelöst. So mussten die Mönche auch Badia a Coltibuona verlassen. Im Jahre 1846 wurde das Kloster schließlich von der Familie Stucchi Prinetti erworben, die hier bis heute ihr renommiertes Weingut führt.

2. Santuario di Santa Maria dell’Impruneta

Die Kirche begann als Pfarrkirche im 11. Jahrhundert. Sie wurde auf dem Gelände einer Kultstätte für heidnische Bräuche errichtet. Das älteste Dokument, das die Kirche benennt, stammt aus dem Jahr 1032. Geweiht wurde es von Papst Nikolaus II. im Jahre 1059. Daran erinnert eine Gedenktafel an der Vorderseite der Kirche. Das romanische Gotteshaus wurde mehrfach um- und ausgebaut. So stammt der Glockenturm aus dem 13. Jahrhundert. Der Kreuzgang datiert aus dem 14. Jahrhundert. Das Innere der Wallfahrtskirche beherbergt wertvolle Skulpturen und Malereien. Diese stammen aus den Werkstätten bekannter Künstler ihrer Zeit, so etwa Benedetto da Maiano oder Giovanni Domenico Ferretti.

3. Chiesa di Santa Maria in Panzano

Die Kirche Santa Maria befindet sich im Ortskern von Panzano. Sie gehört zum Bistum Fiesole in der Provinz Florenz. Ursprung des Gotteshauses ist ein romanischer Bau aus dem 13. Jahrhundert. Auch nach den Umbauten, die zum Ende des 19. Jahrhunderts vorgenommen wurden, sieht die Kirche von außen eher wie eine Festung aus. Das liegt unter anderem daran, dass der Campanile (freistehender Glockenturm) aus einem früheren Wehrturm entstanden ist. Über dem Eingangsportal befindet sich eine Skulptur, die sich durch ihre weiße Farbe deutlich abhebt: Madonna, die von Engeln umgeben ist. Im Innern sind Gemälde aus dem 17. Jahrhundert und verschiedene Fresken zu sehen.

4. Santa Maria Assunta in Monteriggioni

Santa Maria Assunta in Monteriggioni 
© „Santa Maria Assunta“ von Zyance – Eigenes Werk, liezenziert unter [CC BY-SA 2.5] über Wikimedia Commons
Die romanisch-gotische Kirche ist die einzige, die sich im historischen Ortskern von Monteriggioni  am Piazza Roma befindet. Sie stellt zudem die Hauptkirche der Gemeinde dar. Nach der Gründung des Ortes im Jahre 1213 wurde mit dem Bau des Gotteshauses begonnen. Sie wurde 1235 fertiggestellt. Der Glockenturm stammt jedoch aus dem 18. Jahrhundert. Er wurde aus Materialien eines alten Kirchenbaus errichtet. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude teilweise umgestaltet. Die bauliche Struktur blieb jedoch erhalten. So ist der Innenraum mit einem Tonnengewölbe versehen, die Apsis wird von einem Kreuzgewölbe getragen. Zwei Tabernakel aus dem 15. Jahrhundert und ein aus Holz gefertigter Chor aus dem 16. Jahrhundert sind ebenso erhalten wie ein Gemälde der Heiligen Madonna.

5. Propositura dei Santi Guisto e Clemente

Die Kirche befindet sich im Ortskern von Castelnuova Berardenga. Der neoklassizistische Bau wurde im Auftrag von Graf Alessandro Lucarini Saracini errichtet. Er entstand in den Jahren von 1843 bis 1846. Der Grundriss des Baus hat die Form eines griechischen Kreuzes, was den christlichen Glauben symbolisiert. Der Klassizismus greift auf architektonische Elemente der Antike zurück. So verfügt der Kirchenbau im Eingangsbereich über einen so genannten Portikus, einer Art Vorhalle mit vier Säulen. Im Innern sind Werke wie „Madonna mit Kind und Engeln“ oder die Kreuzigung zu sehen.

* „Badia a Coltibuono“ © Bit Boy (bearbeitet), [CC BY 2.0] über Flickr