Die Kirche San Bartolomeo in in Barberino val d’Elsa

Museen, Galerien und Parks im Chianti

Die begehrten Chianti-Weine brachten den Winzern Wohlstand und den Künstlern entsprechend viele Aufträge. Ein Glücksfall für die Region.

Die sanft hügelige Chianti-Gegend ist ein ausgezeichnetes Anbaugebiet für die gleichnamigen Rotweine. Dass das Gebiet jedoch auch eine ausgesprochen vielseitige Kulturregion mit zahlreichen sehenswerten Museen, Galerien und Parks ist, wissen die wenigsten. Der durch den traditionellen Weinanbau über die Jahrhunderte entstandene Wohlstand der Gegend zeigt sich in vielen repräsentativen Sakralbauten und Villen, aber auch in kulturellen Institutionen sowie prachtvollen Grün- und Parkanlagen. Während in den großen Städten wie Florenz und Siena imposante Werke der Großmeister Michelangelo, Raffaello und Leonardo da Vinci zu sehen sind, besteht das kulturelle Erbe im ländlichen Chianti aus vielen kunstvollen Altarbildern und Skulpturen von Künstlern wie zum Beispiel Ambrogio Lorenzetti, Masaccio und Andrea del Verrocchio sowie Coppo di Marcovaldo.

Das Museum für religiöse Kunst in San Casciano in Val di Pesa

Das Museo di San Casciano für religiöse Kunst liegt in wenige Kilometer südlich von Florenz im San Casciano in Val di Pesa. Es befindet sich in der ehemaligen Kirche Santa Maria del Gesù aus dem 15. Jahrhundert. Thematischer Schwerpunkt in dem Haus sind Gemälde und Bildhauerarbeiten sowie Paramente und archäologische Funde. Berühmte Bilder aus der Zeit des 12. bis 20. Jahrhunderts sind etwa „Natività di Cristo“ (Geburt Christi) von Maestro di Cabestany, „San Michele Arcangelo“ (Erzengel Michael) von Coppo di Marcovaldo und „Madonna col Bambino“ (Madonna mit Kind) von Ambrogio Lorenzetti.

Das Museum für religiöse Kunst in San Casciano in Val di Pesa
© „Das Museum für religiöse Kunst“ von Vignaccia76 – Eigenes Werk, [CC BY-SA 3.0] über Wikimedia Commons

Das archäologische Museum in Castellina in Chianti

Das archäologische Museum wurde im Jahr 2006 in der kleinen 3000-Einwohnergemeinde Castellina eröffnet. Es ist in den Räumen einer mittelalterlichen Festung untergebracht. Ausgestellt werden Fundstücke aus der Umgebung der Städte Castellina, Gaiole, Radda und Castelnuovo Berardenga. Chronologisch beginnen die gezeigten Artefakte mit der Zeit der Herrschaft der Etrusker im 6. und 7. Jahrhundert vor Christus. Thematisiert werden u.a. die damaligen Grabstätten in Montecalvario, Fonterutoli, Malpensat und Poggione. Ein Prachtstück ist die detaillierte Rekonstruktion eines etruskischen Streitwagens mit üppig verzierten Bronze- und Eisenplatten. Vom Aussichtsturm hat man fantastische Fernsicht über das Val de Elsa bis nach San Gimignano.

Der Skulpturenpark Parco Sculture del Chianti in Castelnuovo Berardenga

Ein empfehlenswertes Ausflugsziel ist der gut 13 Hektar große Skulpturenpark rund zehn Kilometer nördlich von Siena Pievasciata. Das auf dem Gelände einer früheren Wildschweinzucht betriebene Projekt wird von der gemeinnützigen Gesellschaft „Amici del Parco“ (Freunde des Parks) am Leben gehalten. Insgesamt beherbergt der Park entlang eines einen Kilometer langen Rundwegs 26 Installationen und Skulpturen von Künstlern aus über 20 Ländern aller fünf Kontinente. Renommierte Vertreter sind etwa Dominic Benhura aus Simbabwe, Benbow Bullock aus den USA und Johannes Pfeiffer aus Deutschland.

Das Museum Antiquarium di Sant Appiano in Barberino val d’Elsa 

Im Zentrum der 4300-Einwohnergemeinde im Elsatal stehen vor der Hauptkirche Chiesa di San Bartolomeo die Ruine der 990 erwähnten und 1805 durch ein Erdbeben zerstörten Pieve di Sant’Appiano, kunsthistorisch bedeutende Steinsäulen, etruskische Urnen und ein seltenes heidnisches Götzenbild aus dem 2. Jahrhundert. Im ersten Ausstellungsraum können Grabbeigaben aus etruskischen Magnatengräbern aus dem 7. bis 2. Jahrhundert vor Christus besichtigt werden. Im zweiten Ausstellungsraum wird man von der Skulptur des auf einem Hund sitzenden Gott Eros begrüßt. Dort sind außerdem umfangreiche Sammlungen von Keramiken aus dem Mittelalter und der Renaissance ausgestellt.

Das Museum der bäuerlichen Kultur „Emilio Ferrari“ in San Donato in Poggio

Eigentlich stammte der Ingenieur Emilio Ferrari (1915-1990) aus Ligurien. Aber seit er in den 1960er Jahren nach San Donato in Poggio umgezogen war, sammelte er zahlreiche Objekte und Utensilien der bäuerlichen Kultur in der Toskana. Heute können Besucher des Museums dort viel historisches Werkzeug von Tischlern, Flickschustern und Schmieden wie eine Werkbank mit Hobeln und Hohleisen sowie Klemmen und Zirkel bewundern. Auch eine altgediente Nähmaschine, diverse Eisenschablonen sowie traditionelle Schuhe und Holzpantinen werden in dem liebevoll eingerichteten Haus ausgestellt.

* „San Bartolomeo Kirche“ von LigaDue –  Eigenes Werk, [CC BY-SA 4.0] über Wikimedia Commons