Castello della Badia in Poggibonsi

Poggibonsi

Im Norden der Provinz Siena, zwischen Siena und Florenz im Chianti-Gebiet, liegt mit der 29000-Einwohnerstadt Poggibonsi ein Ort, der im Jahr 1982 sogar bereits musikalische Würdigung durch ein gleichnamiges Lied der italienischen Sängerin und Schauspielerin Milva erfahren hat. Weinanbau und Landwirtschaft bestimmen seit jeher die Wirtschaft der Stadt im Elsatal (Val d’Elsa), die nachweislich schon in der Jungsteinzeit besiedelt war und später von den Etruskern und Römern u.a. mit diversen Nekropolen ausgebaut wurde. Die erste Blütezeit erlebte Poggibonsi im 10. Jahrhundert Dank der Lage an der damals wichtigsten Handelsstraße von Rom nach Frankreich, der Via Francigena. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Namen der Stadt Borgo di Marte, Marturi und Borgo Vecchio. 1155 und 1156 wurden die Einwohner zusammen mit jenen aus der Umgebung durch die seinerzeitigen Herrscher des Adelsgeschlechts Guidi in der dann neu gegründeten Stadt Poggiobonizio angesiedelt. Im gesamten 12. Jahrhundert war der Ort als Sitz einer großen theologischen Schule der christlichen Bewegung der Katharer überregional bekannt. Der Kaiser des römisch-deutschen Reiches Friedrich II. erklärte Poggibonsi zur Reichsstadt, Zeitgenossen zufolge soll es sich um eine der schönsten Städte in ganz Italien gehandelt haben.

Porta della Fonte
Das Bild zeigt Porta della Fonte in der Festung Fortezza di Poggio Imperiale. © „Porta della Fonte“ von LigaDue – Eigenes Werk, lizenziert unter [CC BY-SA 4.0] über Wikimedia Commons
Im Jahr 1270 wurde Poggibonsi durch Florentiner Guelfen nahezu vollständig zerstört, ab 1293 gelangte die Stadt unter die Herrschaft der Republik Florenz. Kaiser Heinrich VII. ordnete 1313 den Wiederaufbau unter dem Namen Monte Imperiale an, nach seinem Tod im selben Jahr wurden die Arbeiten jedoch gestoppt. 1484 ließ Lorenzo de‘ Medici an dem Ort eine „ideale Stadt“ nach den Vorstellungen der Renaissance mit einer großen Festung als Schutz errichten, die Bautätigkeiten kamen jedoch 1510 zum Erliegen. Im frühen 19. Jahrhundert gehörte Poggibonsi für kurze Zeit zu Frankreich, seit 1861 ist es ein Teil des vereinigten Italiens. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts lebt die Stadt hauptsächlich von Weinbau und Industrie, Poggibonsi ist die kleinste Subzone des Anbaugebiets Chianti Classico. Außer für Rotwein sind die Stadt und ihr Umland auch als Produktionsort für Olivenöl, Honig und Safran bekannt. Immer wichtiger sind in den letzten zwei Jahrzehnten auch der Dienstleistungssektor und Tourismus geworden, in der Stadt haben sich auch viele Firmen aus dem Bereich Information und Telekommunikation niedergelassen.

An architektonischen Attraktionen und interessanten Sehenswürdigkeiten herrscht in und um Poggibonsi ebenfalls kein Mangel. Am bekanntesten ist sicherlich die mittelalterliche romanische Burg Castello della Magione aus dem 11. Jahrhundert, die seit 1979 dem Orden katholischer Laien „Militia Templi“ als Hauptsitz dient. Die Burg wird auch als Herberge für Pilger auf der Via Francigena genutzt. Schöne Fotomotive geben auch die von den Medici im 16. Jahrhundert in Auftrag gegebene Festung Fortezza di Poggio Imperiale, der Stadtbrunnen La Fonte delle Fate aus dem 13. Jahrhundert und das Sanktuarium Santuario di Romituzzo aus dem 15. Jahrhundert ab. Besonders gut erhalten ist die mittelalterliche Bausubstanz der Stadt im Ortsteil Staggia Senese, neben der mächtigen Stadtmauer aus dem 13. und 15. Jahrhundert können dort auch die Burg Rocca di Staggia Senese und das Museo della Pieve di Staggia mit vielen Werken aus der hier 1855 entstandenen Künstlergruppe Schule von Staggia (Scuola di Staggia) besichtigt werden.

* „Castello di Badia“ von LigaDue –  Eigenes Werk, [CC BY-SA 4.0] über Wikimedia Commons