Radda in Chianti

Erhaben und wunderschön thront ein kleines, mittelalterlich anmutendes Dorf aus alten Steinhäusern und großen Türmen auf einem hohen Hügel über einem wogenden Meer aus grünen Weinbergen, nahezu umschlossen von den gewundenen Tälern zweier Flüsse – malerisch und pittoresk zugleich ist der Anblick des über 1000 Jahre alten Städtchens Radda im Herzen des Chianti Classico, des berühmten Weinbaugebiet inmitten der Toskana. Schon die Etrusker sollen sich in dieser herrlichen Landschaft besonders wohl gefühlt haben. Doch die Anfänge der Besiedlung reichen sogar bis in die Zeit um 2.000 v. Chr. zurück, wie archäologische Ausgrabungen und Fundstücke rund um das heutige Städtchen gezeigt haben.

Eine Altstadt wie aus einer anderen Zeit

Rada in Chianti
Rada in Chianti“ © openroads.com (bearbeitet), [CC BY 2.0] über Flickr
Ob die alten, historischen Steinfassaden der kleinen Häuser, die trutzige und mehr als mannshohe Stadtmauer oder die hoch in den wolkenlosen Himmel ragenden Turmhäuser, ein Gang durch die engen, verwinkelten Gassen und zahlreichen kunstvollen Gewölbegänge versetzt einen in längst vergangene, mittelalterliche Zeiten. Radda wirkt auch heute so als wäre sie noch immer die Hauptstadt der „Lega del Chianti“, einer mittelalterlichen Verwaltungsorganisation, mit der die Florentiner Republik zwischen dem 13. Und 15 Jahrhundert dem Chianti den Status einer nahezu autonomen Region verlieh. Von dieser Zeit zeugt nicht nur die wehrhafte und an einigen Stellen sogar begehbare Stadtmauer, sondern auch zahlreiche historische Bauwerke.

Sehr sehenswert ist die im Stadtteil Volpaia gelegene und gleichnamige florentinische Festung. Sie bestand ursprünglich aus einem elliptischen Mauerring und einiger Verteidigungstürme. Heute sind lediglich noch Reste der Mauern, der Hauptturm, ein kleinerer Turm sowie ein einige Zeit später ergänzter Turm erhalten geblieben. Eine Besonderheit der mittelalterlichen Festungsanlage ist die Turmkirche, die dem Heiligen Eufrosino gewidmet ist, dem Apostel des Chianti-Gebiets. Heute ist das Castello di Volpaia ein Weingut, welches Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen anbietet. Zum Gelände zählt neben den Weinbergen auch ein weitläufiger Olivenhain mit einer alten Ölmühle, die gemeinsam eine wundervolle Kulisse für ausgedehnte Spaziergänge bilden.

Aus derselben Zeit stammt auch der Palazzo del Podestà, das historische und bereits im 14. Jahrhundert errichtete Rathaus des kleinen, etwa 1.700 Einwohner zählenden Ortes. Zwei mächtige Torbögen im Eingangsbereich sowie eine schmiedeeiserne Uhr und ein kleiner Glockenturm zieren die ansonsten eher schlichte Fassade des historischen Gebäudes. Auch die direkt am Hauptplatz gelegene Kirche San Niccolo ist ein Besuch wert.

Herrenhäuser, Burgen und Schlösser im Umland

Im Castello di Volpaia ist heute ein Weingut
© „Castello di Volpaia“ von Vignaccia76 – Eigenes Werk, [CC BY 3.0] über Wikimedia Commons
Doch auch das Umland rund um Radda in Chianti hat einige Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele zu bieten. Herrschaftliche Bauernhäuser, Herrenhäuser und Schlösser verteilen sich in der historischen Weinbaugegend. Herausragend dabei sind die kleinen Schlösser Castiglione, Trebbio und Paterno, die noch aus den Zeiten des ritterlichen Adels im Mittelalter stammen. Verschiedene herrschaftliche Gutshöfe und Herrenhäuser stehen Besuchern der Gegend rund um Radda in Chianti entweder als einer von vielen Weingütern oder aber als Ferien- und Urlaubsdomizil offen. Vor allem letztere Variante lässt Urlauber für einige Tage sich wie frühere Gutsbesitzer fühlen. Näher kann man diesen Monumenten längst vergangener Zeiten wohl kaum kommen.

Ein weiteres Ausflugsziel in der Umgebung ist die knapp 3 km nördlich des Hauptortes Radda gelegene Kirche Santa Maria Novella. Sie ist eines der bedeutendsten Beispiele romanischer Architektur in Chianti. Auch die Innenräume der dreischiffigen Basilika sind reich verziert mit allerlei Kunstwerken der romanischen Kunstepoche aus dem 12. Jahrhundert. Besonders beeindruckend sind die beiden kunstvoll aus grauem Sandstein gefertigten Tabernakel aus der Renaissance sowie das vergoldete Kupferkreuz im Inneren der Basilika.